Verein für Opferschutz durch Kriminalprävention  

 

Über den Verein

Der gemeinnützige Verein für Opferschutz durch Kriminalprävention e.V., wurde im Dezember 2018 gegründet. Sein Vorstand ist ehrenamtlich tätig. Der Verein sieht seinen Auftrag darin, durch Kriminalprävention und opfergerechte Täterarbeit  Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen.

Er finanziert mit Hilfe von Spenden und Geldbußen  eine Beratungsstelle für sexuell übergriffige Kinder, Jugendliche und Erwachsene in SaarbrückenDie Beratungsstelle übernimmt in Kooperation mit der Fachpraxis Grenzklarheit die deliktpräventive therapeutische Arbeit, wenn Klient*innen die Kosten nicht selber tragen können und es keinen anderen Kostenträger gibt. Eine Finanzierung aus öffentlicher Hand konnte bisher nicht erreicht werden.

Ein großer Risikofaktor für das Begehen und Erleiden von sexuellen Übergriffen sind Krisensituationen und Isoliertheit. Die Corona-Massnahmen und ihre Auswirkungen begünstigen Risikosituationen. Daher arbeiten unsere Therapien*innen auch während der Corona-Lockdowns online und in Präsenz weiter, selbstverständlich unter Einhaltung aller Hygieneregeln.

Prävention von sexualisierter Gewalt gegen Kinder

Betroffene von sexuellem Kindesmissbrauch haben über die Jahre hinweg dank des Einsatzes vieler engagierter Menschen Gehör bekommen. Es gibt vielerorts Unterstützung für Betroffene und hervorragende Präventionsarbeit mit potentiell Betroffenen.  

Die Täter aber befinden sich immer noch im Dunst der Mär vom unheimlichen, unverbesserlichen Triebtäter. Das macht Täter zu etwas unberechenbarem, nicht zu stoppenden. Das ist falsch. Rückfallrisiken können eingeschätzt werden. Täter können die Verantwortung für ihre Taten übernehmen und ihr Verhalten ändern! Jede Tat sexualisierter Gewalt gegen ein Kind ist in der Regel eine Entscheidung, die von einem/einer erwachsenen Täter/in getroffen wird. Diese Menschen können mit entsprechender Therapie lernen, andere Entscheidungen zu treffen und so nicht mehr rückfällig zu werden. Strafe und Haft alleine sind nur kurzfristig wirksam. Täterarbeit sowie die Arbeit mit sexuell grenzverletzenden Kindern und Jugendlichen wirken nachhaltig. Sie sind ein wichtiger Teil der Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch und muss als solcher öffentlich anerkannt und finanziell unterstützt werden!

Warum ist deliktpräventive Therapie notwendig?

Bisher setzt die Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch vor allem bei Kindern an. Kinder sollen gestärkt werden, um sich vor Missbrauch zu schützen. Das ist wichtig, aber bei weitem nicht ausreichend! Nicht den potentiellen Opfern und ihren Bezugssystemen sollte alleine die Verantwortung für den Schutz vor Missbrauch übertragen werden. Die erwachsenen Täter, die potentiellen und die tatsächlichen, müssen in die Verantwortung genommen werden und lernen, so viel Selbstkontrolle zu übernehmen, dass sie keine weiteren Übergriffe an Kindern begehen, sobald sie in Freiheit sind.

Deliktpräventive Therapie ist  aktiver Opferschutz!

Im Gegensatz zu der von den Krankenkassen bezahlten Psychotherapie, deren Ziel Heilung bzw. die Verringerung von Krankheitssymptomen ist, ist das Ziel der deliktpräventiven Therapie das Verhindern (weiterer) sexueller Übergriffe.

 In der deliktpräventiven Therapie muss der übergriffige Mensch sich mit seinen Taten und den Folgen für das Opfer auseinandersetzen, die Verantwortung für sein Handeln übernehmen und im weiteren prosoziale Bedürfnisbefriedigung und Selbstkontrolle erlernen. Die deliktpräventive Therapie orientiert sich nicht wie die Psychotherapie an Krankheitssymptomen, sondern an individuellen Risikofaktoren und Ressourcen der Klienten. Der Therapie vorangestellt ist grundsätzlich eine Risikoprognose mit Hilfe standarisierter Testdiagnostik. Grundlage der Therapie ist das Risk-Need-Responsivity-Prinzip nach Andrews &Bonta, das derzeit als State of  the Art in der wirksamen Deliktprävention gilt. 

In einer Untersuchung in Kanada wurde festgestellt, dass bei verurteilten Sexualstraftätern die Rückfallwahrscheinlichkeit durch eine unspezifische Therapie um 11% gesenkt werden konnte, mit einer spezifischen (deliktpräventiven) Intensivtherapie um 29%. Bei Hochrisikotätern konnte eine spezifische Therapie das Rückfallrisiko sogar um 49% senken (Genderau&Goggin, 1996)

Betrachtet man die offiziellen Statistiken zu Rückfällen bedeuten diese im Umkehrschluss, dass durch eine professionelle deliktpräventive Behandlung pro 100 Täter 10 Rückfälle verhindert werden könnten. Das würde 10 Opfer weniger bedeuten. Bezöge man inoffizielle Daten mit ein, stiege die Zahl auf 25 verhinderte Taten beziehungsweise 25 Opfer weniger an (Urbaniok, 2003).

Warum ist die Finanzierung deliktpräventiver Therapie notwendig?

Ein Fallbeispiel aus der Praxis:

Klient, 30 Jahre, Hartz IV –Empfänger, wird seit vielen Jahren aufgrund sozialer und psychischer Schwierigkeiten durch einen Sozialbeistand betreut. Dieser Klient vertraut seinem Sozialbeistand an, dass er als Kind jahrelang von seinem Stiefvater sexuell missbraucht wurde  und dadurch traumatisiert ist. Er hat in letzter Zeit zunehmend pädophile Gedanken und Phantasien dahingehend, dass er meint, sein eigenes Trauma durch den Missbrauch an einem Kind auflösen zu können. Sowohl der Klient selber als auch der Sozialbeistand befürchten, dass der Klient seine bisher mühsam aufrecht erhaltene Selbstkontrolle verlieren könnte und es zum Missbrauch eines Kindes käme.  Eine spezialisierte Therapie könnte diesen Klienten bei der Aufrechterhaltung der Selbstkontrolle und der prosozialen Bewältigung seines Traumas unterstützen. Trotz vielfältiger Versuche aller Beteiligten war es leider nicht möglich einen Kostenträger für die dringend notwendige Therapie zu finden.

Sexuelle Übergriffigkeit ist keine Krankheit. Die Deliktpräventive Therapie gehört nicht zum Leistungskatalog der Krankenkassen. Die Kosten für diese Tätertherapie werden folglich  von den Krankenkassen folglich nicht übernommen. Die saarländische Psychotherapeutenkammer hat zudem  in einer Stellungnahme deutlich gemacht, dass ihre Mitglieder keine deliktpräventive Therapie im Rahmen einer üblichen Psychotherapie anbieten können und wollen.

Für  verurteilte Sexualstraftäter gibt es im Saarland die Möglichkeit der Finanzierung einer ambulanten deliktpräventiven Therapie durch die Justiz für die Dauer der Bewährungs-/Führungsaufsichtszeit. Voraussetzung hierfür ist, dass der Richter die Auflage einer Therapie ausgesprochen hat und dass der Klient über kein eigenes Einkommen verfügt. 

Für Klienten, die keine Auflage erteilt bekommen haben oder die über ein Einkommen -  wie gering auch immer -  verfügen, werden die Therapiekosten nicht übernommen. 

Da zudem die Bewährungs-/Führungsaufsichtszeit in der Regel nach 3 – 5 Jahren endet, bleibt die oftmals sehr lang notwendige, stabilisierende Nachsorgephase unfinanziert.

 In anderen Bundesländern erfolgt die deliktorientierte Therapie für verurteilte Sexualstraftäter mit Auflage ausschließlich in Forensisch-Psychiatrischen-Ambulanzen. Zu den bereits genannten Problemen kommt hier noch dazu, dass diese Ambulanzen sich in größeren Städten befinden und für die Landbevölkerung dadurch nur sehr schwer zu erreichen sind. 

Für  sexuell übergriffige Menschen ohne strafrechtliche Verurteilung, die sich in Ermittlungsverfahren befinden oder deren Übergriffe nur  Jugendämtern oder Jugendhilfeeinrichtungen bekannt sind, gibt es keinen Kostenträger für eine deliktpräventive Therapie. Ebenso sind pädosexuelle Menschen, die bisher noch keinen Übergriff begangen haben und Hilfe brauchen, um nicht übergriffig zu werden,  bei der Finanzierung wirksamer Therapien auf sich selber gestellt. Dadurch ist die Schwelle zur Inanspruchnahme solcher Therapien für die meisten zu hoch gesteckt.

An einigen wenigen Standorten in Deutschland können sich diese Menschen, die sogenannten Täter aus dem Dunkelfeld, an das Projekt „Kein Täter werden“ der Charité Berlin wenden. Anlaufstellen gibt es bisher aber nur in Berlin, Gießen, Regensburg, Hamburg, Hannover, Kiel, Ulm, Mainz, Leipzig und Stralsund. Das ist bei weitem nicht ausreichend! 

Warum ist ein spezialisiertes Clearing für sexualisiert auffällige Kinder notwendig?

Sexuelle Auffälligkeiten bei Kindern lösen bei  Bezugspersonen und Fachkräften oftmals Erschrecken und Hilflosigkeit aus. Sie wissen nicht, wie das Verhalten entstanden ist, sind in der Not, die Grenzverletzungen zu stoppen, geeignete Maßnahmen für „Täter“ und betroffene Kinder zu finden und müssen gleichzeitig den Erwartungen des Umfeldes Rechnung tragen. Zudem fällt es vielen schwer, sich damit auseinanderzusetzen, dass Kinder sexualisiertes Verhalten und sogar sexualisiert grenzverletzendes Verhalten zeigen können.  

Kinder, die ein solches Verhalten zeigen, brauchen Hilfe! Sie sind keine Täter oder Täterinnen. Sexuelle Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern entstehen durch ein komplexes Wechselspiel von familiären Verhältnissen (geprägt von Brüchen, Gewalt und/oder Substanzenmissbrauch), selbst erlebter sexueller/physischer/psychischer Gewalt und sexualisierten Copingstrategien. Sie können als Versuch verstanden werden unzureichende interpersonelle Bindungen durch Ausagieren auf sexueller Ebene zu kompensieren. Sexuell grenzverletzende Kinder, die keine adäquate Behandlung erfahren, haben ein erhöhtes Risiko für persistierende sexuelle Auffälligkeiten bzw. sexuelle Grenzverletzungen. 30 bis 50% der erwachsenen Sexualstraftäter haben in der Jugend schon sexuelle Auffälligkeiten gezeigt  (Schmelzle, 2016). Ausführliche Diagnostik und auf individuelle Bedarfe zugeschnittene Interventionsempfehlungen durch spezifisch ausgebildete TherapeutInnen sind sowohl Hilfe für diese Kinder als auch Prävention und Opferschutz. Durch fehlende oder unspezialisierte Hilfe leiden nicht nur Opfer, sondern auch die Kinder, deren sexualisierte Verhaltensweisen sich in der Folge manifestieren und sie später zu Tätern werden lassen!

Warum ist die Finanzierung aus privater Hand notwendig?

Leider wird bisher weder ein spezialisiertes Clearing noch eine spezialisierte Therapie für sexualisiert auffällige Kinder von öffentlicher Hand finanziert. Von den Jugendämtern werden meistens nur die Kosten für unspezifische Clearings übernommen. Unspezifische Clearings können den besonderen Bedürfnissen dieser Kinder und ihrer Familien nicht ausreichend gerecht werden, da entsprechende Zusatzqualifikationen des Personals meistens fehlen.

In einigen Bundesländern erhalten Beratungsstellen einen Zuschuss, um die Beratung sexuell übergriffiger Kinder zu übernehmen. Diese Zuschüsse sind aber meisten zu gering, um damit spezialisiertes Fachpersonal anstellen zu können. In der Folge wird die Beratung dieser Kinder dann von BeraterInnen übernommen, die keine diesbezügliche Zusatzqualifikation aufweisen. Für die Beratungsstellen ist es aufgrund der niedrigen Zuschüsse unrentabel ihre MitarbeiterInnen auf  Zeit und Kosten intensive spezialisierte Weiterbildungen zu schicken.  Die Beratung läuft dann oftmals neben dem Kerngeschäft her wie ein ungeliebtes Stiefkind

Einige Details zur deliktpräventiven Therapie

Ausbildung:

Die TherapeutInnen müssen ein abgeschlossenes Studium der Sozialarbeit, Psychologie oder Medizin und sollten mindestens eine therapeutische/beraterische Zusatzausbildung vorweisen. Zudem sollten sie über eine Zusatzausbildung in deliktpräventiver Täterarbeit haben sowie über die Zertifizierung für mindestens ein Risikoprognoseinstrument verfügen. Die Teilnahme an regelmäßigen Fortbildungen und an Supervision sollte gewährleistet sein. Das sind die Voraussetzungen, die der Verein für Opferschutz durch Kriminalprävention an seine Honorarkräfte stellt

Die genannten notwendigen Zusatzqualifizierungen sind sowohl Zeit- als auch Kostenintensiv und werden in der Regel von den TherapeutInnen selber finanziert. 

Es gibt nur wenige TherapeutInnen, die bereit sind, deliktpräventiv zu arbeiten. Die Kosten der Ausbildung sind hoch, die Anforderungen an die Persönlichkeit des/r TherapeutIn sind sehr hoch, im Gegenzug dazu sind die Verdienstmöglichkeiten aufgrund der fehlenden Kostenträger  gering und das Klientel schwierig. Hinzu kommt, dass die therapeutische Arbeit mit sexuell übergriffigen Menschen trotz ihrer Notwendigkeit kaum Ansehen in der Öffentlichkeit genießt.

Zeitrahmen und Kosten der Therapie

Das sexualisierte Clearing bei Kindern dauert in der Regel 3 Monate. Die Termine mit den Kindern, ihren Bezugspersonen sowie vorhandenen Netzwerkpartnern wie Jugendamt und Jugendhilfeeinrichtungen finden ein bis mehrmals pro Woche statt. Die Kosten des Clearings können von Jugendämtern übernommen werden. Für die notwendigen anschließenden ambulanten oder stationären Therapie fehlen ausreichende Einrichtungen, zum Teil auch Kostenträger.

Die therapeutische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen dauert mindestens 1 Jahr. Eine Nachsorgephase, bei der die Termine in größeren Abständen stattfinden, sollte sich anschließen, sinnvoll wäre eine Begleitung durch die Pubertät

Die Deliktpräventive Therapie mit Erwachsenen dauert im Durchschnitt 2 Jahre mit wöchentlichen oder 14-tägigen Terminen (je nach Risikoeinschätzung). Der Therapie geht immer eine ausführliche Diagnostik und Anamnese voraus.  In der Regel ist eine Nachsorgephase über einen längeren Zeitraum notwendig. Bei Hochrisikoklienten ist eine Nachsorgedauer über viele Jahre hinweg empfehlenswert.